Kampffisch (Betta splendens) richtig halten — kompletter Pflege-Guide
Beckenvolumen, Temperatur, Filterung, Futter, Vergesellschaftung, Krankheiten, Zucht — alles, was du vor dem Kauf eines Kampffisches wissen musst. Echte Zahlen, keine «Lebt-im-Glas»-Mythen.
Der Kampffisch (Betta splendens), auch siamesischer Kampffisch genannt, ist der weltweit meistverkaufte Zierfisch und der am stärksten mit Mythen behaftete. Im Handel werden sie oft in 200–300-ml-Bechern gehalten, woraus sich die hartnäckige Idee gebildet hat, ein Kampffisch könne «in jedem Glas leben». In Wirklichkeit stammt der Betta aus den warmen Reisfeldern Südostasiens und braucht Wärme, Filterung und ein angemessenes Beckenvolumen. Hier kommen reale Anforderungen mit konkreten Zahlen und den Fallstricken.
Beckenvolumen und Form
Minimum für einen Kampffisch — 19 L. Optimum — 38 L. In diesem Volumen bleiben die Werte stabil, das Becken lässt sich bepflanzen und ordentlich filtern. Eine Abdeckung ist Pflicht — Kampffische springen.
Lang und niedrig schlägt hoch und schmal: Der Kampffisch atmet Luft über das Labyrinthorgan und kommt regelmäßig an die Oberfläche. Hohe Säulen und Kugeln zehren ihn durch ständige Strecken auf und ab aus.
Wasserwerte
Temperatur: 24–27 °C (Heizer ist Pflicht — ohne ihn fällt die Temperatur im Winter auf 18 °C, das senkt die Immunität und provoziert Ichthyo). pH 6,5–7,5. gH 5–15. Ammoniak und Nitrit: 0. Nitrat: bis 20 mg/L. Wöchentlich 25 % Wasserwechsel mit Aufbereiter.
Filter und Strömung
Ein Filter ist notwendig — ohne ihn kommt der Biofilter mit den Ausscheidungen nicht hinterher. Die Strömung muss aber MINIMAL sein: lange Flossen wirken wie ein Segel, starker Strom erschöpft den Fisch. Beste Wahl: Luftheber-Schwammfilter oder kleiner Innenfilter mit Strömungsregler auf Minimum. Mehr dazu im [Filter- und Belüftungsguide].
Fütterung
Der Kampffisch ist Karnivor. Basis: proteinreiche Bettapellets (Hikari Betta, Sera Betta). 2 Pellets, 1–2 Mal täglich. Einmal pro Woche — gefrostete rote Mückenlarven oder Artemia. Einmal pro Woche — Fastentag, sonst Verstopfung und Schwimmblasenstörungen (besonders bei kurzkörperigen Fancy-Linien). KEINE Tropenflocken — zu wenig Protein, Verdauungsprobleme.
Vergesellschaftung
Ein Männchen lebt ALLEIN. Zwei Männchen in einem Becken bedeutet Tod durch Kampf. Mögliche Mitbewohner: Neocaridina-Garnelen (Jungtiere werden gefressen), Apfelschnecken, kleine Bodenwelse (Otocinclus, Panzerwels Corydoras panda) ab 38 L Volumen. NICHT geeignet: Guppys (er zerfetzt die Schleier), aggressive Salmler (Schmucksalmler, Trauermantelsalmler), alles mit langen Flossen.
Weibchen können in Gruppen von 5+ in einem Becken ab 60 L leben — sogenannte «Sorority». Die Hierarchie ist hart, daher viele Verstecke und dichte Bepflanzung für die Unterlegenen.
Häufige Krankheiten und Vorbeugung
Klassische Kampffisch-Probleme: Flossenfäule (schlechtes Wasser), Saprolegnia an Wunden nach Sprüngen und Kämpfen, Ichthyo bei kaltem Wasser, Schwimmblasenstörung durch Überfütterung. Vorbeugung simpel: stabile warme Werte, abwechslungsreiches Futter ohne Überdosis, minimaler Stress, Quarantäne für Neuzugänge. Details im [Krankheits-Handbuch].
Zucht
Das Männchen baut an der Oberfläche ein Schaumnest, in das die Eier nach dem Ablaichen kommen. Larven schlüpfen in etwa 2 Tagen. Das Weibchen unmittelbar nach dem Ablaichen entnehmen — das Männchen würde es töten. Die Larven beginnen mit Infusorien, später Artemia-Nauplien. Zucht braucht ein Aufzuchtbecken von 20–40 L und Erfahrung — kein Einsteigerprojekt.
Ein Kampffisch ist ein hervorragender erster Fisch, wenn man ihn als richtiges Haustier behandelt: warmes Wasser, angemessenes Volumen, sinnvolles Futter. Ein Glas Leitungswasser ist keine Option.
Lebenserwartung
Unter richtigen Bedingungen lebt ein Kampffisch 3–5 Jahre, Rekorde bis 7. In einem Becher kaltes ungefiltertes Wasser liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei 6–12 Monaten. Beim Kauf Tiere ab 3 Monaten wählen (jüngere überstehen Transport schlechter), Flossen und Bauch auf Krankheitszeichen prüfen.
Häufige Fragen
- Kann ein Kampffisch im Becher ohne Heizer leben?
- Absolut nicht. Tropenfisch — ohne 24–27 °C Heizer bricht das Immunsystem ein und er stirbt in 6–12 Monaten. Mindestens 19 L mit Filter und Heizer.
- Wie viele Kampffische zusammen halten?
- Männchen — nur eines pro Becken. Weibchen — Gruppe von 5+ in einem Becken ab 60 L mit vielen Verstecken. Niemals zwei Männchen.
- Was füttere ich einem Kampffisch?
- Proteinreiche Bettapellets (Hikari Betta, Sera Betta), 2 Pellets 1–2 Mal täglich. Einmal pro Woche gefrostete rote Mückenlarven oder Artemia. Einmal pro Woche Fastentag.
Goldie-Redaktion
Praktizierende Aquarianer mit gemeinsam 30+ Jahren Erfahrung · Biologen und Redakteure, Faktencheck gegen FishBase und Seriously Fish · Jeder Beitrag wird vor Veröffentlichung von einem qualifizierten Ichthyologen geprüft
PhD in Aquatischer Biologie, Experte für Stickstoffkreislauf und Wasserqualität
Promotion in Aquatischer Biologie, Humboldt-Universität zu Berlin · 15+ Jahre peer-reviewter Publikationen zu Nitrifikation und mikrobieller Ökologie · Mitautor des Lehrbuchs «Practical aquaculture and recirculating systems»
Quellen
- Seriously Fish — Betta splendens · Seriously Fish · 2026-06-12
- FishBase — Betta splendens · FishBase · 2026-06-12
- Practical Fishkeeping — Betta care · Practical Fishkeeping · 2026-06-12