Red Cherry Garnele (Neocaridina davidi) — Pflege und Zucht
Die einfachste Aquariengarnele für Einsteiger: Werte, Futter, Zucht, Farbabstufungen, typische Fehler. Echte Zahlen für Kolonien von 10 Tieren bis zu Hunderten.
Die Red Cherry Garnele (Neocaridina davidi var. red) ist eine Zuchtform einer wilden Süßwassergarnele aus Taiwan. Heute ist sie die weltweit beliebteste Aquariengarnele: leuchtendes Rot, robust, einfache Zucht, Allesfresser. Das perfekte «erste Wirbellose» — bei stabilen Werten und ohne Raubfische.
Becken und Technik
Minimum für eine stabile Kolonie — 19 L, optimal — 38 L. Filter — Luftheber-Schwammfilter oder Außenfilter mit PFLICHT-Schaumstoff-Vorfilter am Einlauf (sonst werden Garnelen eingesaugt). Heizer ist nicht zwingend — Raumtemperatur 20–24 °C ist ideal. Moderate Beleuchtung, damit Moos und Biofilm wachsen.
Wasserwerte
Temperatur: 20–26 °C (24 °C ist der Zucht-Sweetspot, über 28 °C verkürzt die Lebenszeit). pH 6,8–7,8. gH 6–12 (Mineralien sind für die Häutung kritisch — fehlen sie, sterben Garnelen beim Panzerwechsel). kH 2–8. TDS 200–350 ppm. Ammoniak und Nitrit: streng 0 — Garnelen sind viel empfindlicher als Fische und sterben zuerst.
Wasserwechsel und Stabilität
Wasserwechsel — 10–15 % einmal pro Woche, nicht mehr. Größere Wechsel lösen Massenhäutungen und Schocktode aus. Wasser immer aufbereiten und TDS prüfen. Garnelen fürchten plötzliche Schwankungen; Stabilität ist wichtiger als die absoluten Werte. Mehr im [Wasserwechsel-Guide].
Fütterung
Garnelen sind allesfressende Aasfresser. Basis ist der Biofilm und die Mikroalgen, die in einem eingefahrenen Becken (ab 2 Monaten) auf Wurzeln und Moosen wachsen. Ergänzung 2–3 Mal pro Woche: ein blanchiertes Stück Zucchini, Spinat oder Karotte für 1–2 Stunden (danach entfernen), spezialisierte Tabletten (Shrimp King, Shirakura Ebi Dama). Wichtig — NICHT überfüttern: Futterreste erhöhen Nitrat und siedeln Planarien an.
Mitbewohner
Beste Variante — Artbecken ohne Fische. Verträglich mit friedlichen Nano-Fischen: Pygmäen-Panzerwels, Otocinclus, Micro-Rasboras (Chili-Rasbora, Microrasbora nanus). NICHT verträglich: Kampffische, Skalare, Salmler aller Art, alle Cichliden, Guramis, kleine Räuber. Eine 1–3 mm Garnele ist für die meisten Fische ein Snack.
Verträglich mit allen Schnecken. Besonders nützlich: Neritina-Schnecken (Algenfresser). Sie vermehren sich nicht in Süßwasser — kein Überpopulationsproblem.
Zucht
Geschlechtsreife mit 3–4 Monaten. Das Weibchen trägt 20–30 Eier 25–35 Tage am Bauch (bei 26 °C schneller). Die Jungtiere schlüpfen als Mini-Adulte, ohne Larvenstadium — das macht Neocaridina im Vergleich zu Caridina simpel zu züchten. Kein Brackwasserbad, kein Spezialfutter — einfach stabiles Wasser, Moos als Verstecke, und die Kolonie wächst von selbst.
Realistisches Wachstum: 10 Garnelen unter stabilen Bedingungen werden in 6 Monaten zu 100 und in einem Jahr zu 300+. Überschüsse können verkauft oder verschenkt werden — örtliche Aquaristik-Communities nehmen sie gerne.
Farbabstufungen
Vom Einstieg zur Premium-Klasse: Sakura (blasses Kirschrot, durchsichtige Flecken) → Fire Red (sattes Rot) → Painted Fire Red (volle Deckung, schwarze Augen) → Bloody Mary (tiefes Weinrot). Jede Stufe kostet das 2–3-fache der vorherigen. Für stabile Farbe muss die Kolonie «gejätet» werden: die blassesten Tiere alle 2 Monate entfernen.
Ein Garnelenbecken ist die Zen-Variante der Aquaristik. Minimaler Eingriff, meditative Beobachtung, ständige Belohnung in Form von Nachwuchs.
Typische Fehler und Krankheiten
• Kupfer in jeder Form (kupferhaltige Medikamente, Pflanzendünger mit Cu²⁺) — innerhalb von Stunden tödlich für alle Wirbellosen.
• Abrupter Wasserwechsel mit kaltem/hartem/weichem Wasser — Massenhäutung und Tod.
• Planarien (Plattwürmer) — kommen mit Lebendfutter, jagen Jungtiere. Behandlung: Fenbendazol 0,1 g/100 L.
• Hydra (kleine Polypen am Glas) — fressen Jungtiere. Behandlung: Temperatur 36 Stunden auf 30 °C anheben oder Planaria Zero.
• Überpopulation — über 1000 Garnelen pro 100 L führt zu Stress und Epidemie. Halbjährlich Überschuss verkaufen/verschenken.
Häufige Fragen
- Wie viele Garnelen am Anfang?
- Mindestens 10–15 — sichert gesunde Genetik und schnelle Vermehrung. Fünf ist zu wenig — Inzucht-Risiko und Verlust der gesamten Kolonie durch einen einzigen Vorfall.
- Kann ich Cherry-Garnelen mit Kampffisch halten?
- Technisch ja, aber der Kampffisch frisst Jungtiere und gelegentlich Adulte. Für eine produktive Kolonie ein Artbecken ohne Fische.
- Warum sterben Garnelen bei Wasserwechseln?
- Vermutlich unterscheidet sich das neue Wasser stark in TDS, Temperatur oder enthält Chlor. Wasser langsam zugeben, Aufbereiter nutzen, Temperatur angleichen, TDS innerhalb ±10 ppm halten.
Goldie-Redaktion
Praktizierende Aquarianer mit gemeinsam 30+ Jahren Erfahrung · Biologen und Redakteure, Faktencheck gegen FishBase und Seriously Fish · Jeder Beitrag wird vor Veröffentlichung von einem qualifizierten Ichthyologen geprüft
Aquascaper, IAPLC-Top-Finalist, Spezialist für südostasiatische Biotope
Top-Finalist IAPLC (International Aquatic Plants Layout Contest) · 20+ Jahre Süßwasser-Aquariengestaltung · Mitglied der Aquascaping Society of Japan
Quellen
- Seriously Fish — Neocaridina davidi · Seriously Fish · 2026-06-26
- Practical Fishkeeping — Cherry shrimp care · Practical Fishkeeping · 2026-06-26
- Shrimp Spot — Neocaridina water parameters · Shrimp Spot · 2026-06-26