Guppy (Poecilia reticulata) — Pflege, Zucht und Einrichtung
Der weltweit beliebteste Anfängerfisch. Wasserwerte, Geschlechterverhältnis, Fütterung, explosive Vermehrung und wie man sie unter Kontrolle hält.
Der Guppy (Poecilia reticulata) ist ein lebendgebärender Fisch aus Venezuela, Trinidad und Guyana, der 1908 in die Aquaristik kam und seitdem in Dutzende von Hochzuchtformen verzweigt wurde. Delta, Band, Kobra, Mosaik, Tuxedo — Farbmuster ohne Ende. Der perfekte «erste Aquarium»-Fisch: robust, farbenfroh, frisst alles, vermehrt sich selbst. Ein Haken — ohne Bestandskontrolle werden aus 6 Guppys in einem halben Jahr 60.
Beckenvolumen und Wasserwerte
Minimum 38 L für eine Gruppe von 6–8, optimal 60–80 L. Temperatur 22–28 °C, pH 7,0–8,2, gH 8–20, kH 4–10. Guppys mögen hartes alkalisches Wasser — das Gegenteil zu Neons und den meisten Südamerikanern. Chlor muss mit Aufbereiter neutralisiert werden. Belüftung ist bei normaler Oberflächenbewegung nicht nötig.
Geschlechterverhältnis
Goldene Regel: 1 Männchen auf 2–3 Weibchen. Bei mehr Männchen werden die Weibchen ständig getrieben und sterben an Stress. Wer keinen Nachwuchs will — nur Männchen (sind farbiger, vermehren sich nicht). Nur Männchen: keine Aggressionsprobleme wie bei Kampffischen. Nur Weibchen: minimal Drama, aber keine leuchtende Farbe.
Fütterung
Guppys sind Allesfresser. Basis: Premiumflocken (TetraMin, JBL NovoBel) 1–2 Mal täglich in kleinen Portionen. Einmal pro Woche — gefrostete Artemia, Daphnien oder rote Mückenlarven für Farbe und Konditionierung der Weibchen. Pflanzliche Ergänzung (blanchierter Spinat oder Spirulina-Flocken) einmal pro Woche. Fastentag Pflicht — Guppys neigen zu Übergewicht.
Zucht — von selbst
Weibchen sind 21–30 Tage trächtig. Anzeichen: dunkler Trächtigkeitsfleck an der Afterflosse, dicker Bauch. 20–80 Junge auf einmal, bei großen Weibchen bis 200. Die Jungen schwimmen und fressen sofort. Ohne Trennung fressen die Eltern einen Teil — im dicht bepflanzten Becken (Moose, Schwimmpflanzen) überleben 20–40 %.
Bestand kontrollieren? Setze 3–4 Neons oder Panzerwelse ein — sie fressen Jungtiere und lassen 5–10 % natürlichen Zuwachs übrig. Massenzucht? 10-L-Aufzuchtbecken mit Pflanzen, trächtiges Weibchen 2–3 Tage vor der Geburt umsetzen und nach der Geburt zurückbringen.
Mitbewohner und Krankheiten
Verträglich: Mollys, Platys, Neons, Cardinals, Panzerwelse, Otocinclus, Amano-Garnelen. NICHT verträglich: Kampffische (zerfetzen Schleier), Sumatrabarben (Flossennipper), Skalare (fressen Jungfische), Cichliden allgemein. Typische Krankheiten: Ichthyo bei niedriger Temperatur, Flossenfäule bei schlechtem Wasser, Pilz am Schwanz nach Kämpfen. Mehr im [Krankheits-Handbuch].
Der Guppy ist ein Lehrbuchfisch. Wenn sie sterben, liegt das Problem nicht am Guppy, sondern am Aquarium: Temperatur, Ammoniak, Nitrit und Besatzdichte prüfen.
Lebenserwartung
Unter Ladenbedingungen mit schlechtem Wasser — 6–12 Monate. Im richtigen Becken — 2–3 Jahre, Rekorde bis 5. Delta-Hochzuchtmännchen leben kürzer — 1–1,5 Jahre wegen der Herzbelastung durch den langen Schwanz. Die Wildform (Endler) — bis 3 Jahre.
Häufige Fragen
- Kann ich einen einzelnen Guppy halten?
- Technisch ja, nicht empfohlen. Guppys sind gesellig — allein verlieren sie Farbe und Aktivität. Mindestens 3, ideal 6+.
- Wie oft im Jahr gebärt ein Weibchen?
- Bis zu 8 Mal hintereinander. Sie ist direkt nach der Geburt wieder befruchtungsbereit und speichert Spermien bis zu 6 Monate. Ein einzelnes besamtes Weibchen produziert noch ein halbes Jahr Würfe allein.
- Was tun, wenn es zu viele werden?
- Über lokale Aquaristik-Communities verschenken, an den Händler zurückverkaufen (viele nehmen zurück), oder die Natur balancieren lassen: natürliche Mortalität und Prädation stabilisieren bei 30–50 Tieren.
Goldie-Redaktion
Praktizierende Aquarianer mit gemeinsam 30+ Jahren Erfahrung · Biologen und Redakteure, Faktencheck gegen FishBase und Seriously Fish · Jeder Beitrag wird vor Veröffentlichung von einem qualifizierten Ichthyologen geprüft
PhD in Aquatischer Biologie, Experte für Stickstoffkreislauf und Wasserqualität
Promotion in Aquatischer Biologie, Humboldt-Universität zu Berlin · 15+ Jahre peer-reviewter Publikationen zu Nitrifikation und mikrobieller Ökologie · Mitautor des Lehrbuchs «Practical aquaculture and recirculating systems»
Quellen
- Seriously Fish — Poecilia reticulata · Seriously Fish · 2026-09-04
- FishBase — Poecilia reticulata · FishBase · 2026-09-04
- Practical Fishkeeping — Guppies · Practical Fishkeeping · 2026-09-04